Freiwillige Feuerwehr Jahnsdorf

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Halbe Million Reichsmark in Mauerwerk entdeckt

Halbe Million Reichsmark in Mauerwerk entdecktGeldfund macht Jahnsdorf nicht reich

Ein Halbmillionenschatz ist den Jahnsdorfern buchstäblich vor die Schaufel geraten. Baggerfahrer Thomas Schneider und die auf der Baustelle des künftigen Feuerwehrgerätehauses an der Chemnitzer Straße in Jahnsdorf tätigen Bauarbeiter der Burkhardtsdorfer Firma Schneider staunten nicht schlecht, als aus alten Mauerresten plötzlich etwas Buntes lunzte.

Alt und geheimnisvoll sah das Ganze aus, sodass man sich dem Fundstück vorsichtig näherte. Ans Tageslicht gebracht, entpuppte sich das Bündel als Geldscheine, bedruckt mit 100 und 1000 Reichsmark. "Das muss ja 'ne Million sein", machte eine erste geflüsterte Vermutung die Runde auf der Baustelle. Doch wer das in seine Finger bekam, der griff ins Nasse, Faulige, Schwarze. In einer wahren Sisyphusarbeit wurde der Schatz erstmal sicher gestellt, in einen gelben Plastiksack gesteckt und ins Rathaus gebracht, schildert Baustellenleiter Andreas Kunz das aufregende Geschehen. In der Gemeindeverwaltung war man Feuer und Flamme, berichtet wiederum Kämmerin Jaqueline Schukat. Organisierte sofort die Sicherung des Schatzes und dessen Erhalt. Guter Rat war auch gleich zur Stelle: Im Kühlschrank wird man der Fäulnis und Nässe Herr. Und wahrlich: Bürgermeister Carsten Michaelis konnte zu Wochenmitte bereits einzelne Scheine, sorgfältig vom Schmutz befreit und in Schutzhüllen gelegt, präsentieren. Musste aber auf die Euphoriebremse treten. Reich wird die Gemeinde damit leider nicht. "Für Sammler werden die Scheine aus den Jahren 1910 und 1920 stammend, vielleicht Wert haben", so Michaelis. Als Zahlungsmittel seien sie hingegen wertlos.

"Aufwändige Restauration oder Prüfung durch Gutachter stehen in keinem Verhältnis zu unseren finanziellen Möglichkeiten". Schade sei, dass der konkrete Wert wohl nicht zu ermitteln sein wird. Zu sehr haben an den Geldscheinen der Zahn der Zeit, Feuchtigkeit in vermuteten neun Jahrzehnten Lagerung in Grundmauern genagt.

Falko König von der Deutschen- Bundesbank-Filiale in Dresden (vormals Landeszentralbank), weiß es banktechnisch etwas genauer. Es gibt nach seinen Worten keinen Rechtsnachfolger für die Reichsbank (gegründet 1876), ein Kurswert schließe sich aus wie auch ein aktueller Vergleichsindex zum Euro. Welchen Sammlerwert ein 1000er Schein zum Beispiel haben könnte, wäre über das Geldmuseum in Frankfurt/Main zu erfahren. Dort habe man einen Bestand von rund 250.000 Scheinen im Archiv, Geldscheine im Top-Zustand, hört man da und ein Echtheitszertifikat kostet ein Vielfaches an Euro.

Dieser Fund brachte Ortschronisten Gerhard Haustein in die Rolle eines Fahnders. Auf dem Platz am Vereinssaal hat bis vor sieben Jahren die einstige Claußsche Strumpffabrik gestanden. Das Unternehmen war 1953 geschlossen und danach volkseigen genutzt worden, beherbergte bis zum Abriss 2002 unter anderem eine Verkaufsstelle. Wer das Geld in die Gesteinsmauern von 1885 eingegraben hat und wann, wird ein Rätsel bleiben, bedauert Haustein, hat aber die Idee, den Schatz bald in geeigneter Form öffentlich zu präsentieren.

  Halbe Million Reichsmark in Mauerwerk entdeckt
 Jahnsdorfs Bürgermeister Carsten Michaelis (links) und Bauleiter Alexander Kunz von Schneider-Bau Burkhardtsdorf präsentieren eine runde halbe Million Reichsmark

 

Text von Elke Göpfert, Foto Andreas Tannert, Erschienen am 30.10.2009 in der Freien Presse